Ist Champagner wirklich so viel besser,

wie er teurer ist?

   Im September 2008 suchten die Juroren die ultimantive Antwort auf diese, die Weinwelt bewegende Frage und der Weinpreis LaSelección liess “die Korken knallen”. Die Juroren verkosteten 473 Schaumweine aus aller Welt - von Cavas über Champagner, Crémants, Franciacortas, Sekt, Spumanti bis hin zu Sparklings - die alle in Deutschland, der Schweiz und in Österreich erhältlich sind.

   Alle zum Vergleich angestellten Weine wurden unter gleichen Bedingungen mehrere Tage gelagert, gekühlt und einheitlich mit 8° C. in Riedel-Gläsern zur Verkostung ausgeschenkt.

   Natürlich waren die Flaschen verhüllt und der Hersteller nur über die Codenummer für die Organisatoren des Wettbewerbs identifizierbar.

   Die Juryteams aus jeweils 5 Experten (Sommeliers, Master of Wine, Önologen, Weineinkäufer und -händler sowie Fachjournalisten) bewerteten die Weine nach dem LaSelección-System, eine Weiterentwicklung des international üblichen 100-Systems der “Union International des Oenologes”. Dabei werden benotet

  • Aussehen: Klarheit, Aussehen, Perlage
  • Aroma: Intensität, Reintönigkeit und Qualität
  • Geschmack: Intensität, Reintönigkeit, Qualität und Nachhaltigkeit
  • sowie insgesamt die Harmonie.

   Im Gegensatz zu einigen internationalen Weinwettbewerben, bei denen schon ganz gewöhnliche Alltagsweine ab 78 Punkten mit einer Bronzemedaille, gute Weine ab 83 Punkten mit Silber, sehr gute Weine ab 88 Punkten mit Gold und grosse Weine ab 96 sogar mit Grossem??? Gold ausgezeichnet werden, zieht LaSelección strengere Grenzen, die der international üblichen Bewertungspraxis entsprechen, und zeichnet aus mit einer

• Goldmedaille
   Grosse Weine, denen das Verkosterteam einstimmig 95 bis 99 Punkte zuerkannt hat.
   Die legendären 100 Punkte für den idealen Wein vergibt LaSelección nicht!
   Denn den kann und wird es wohl auch nie geben. “Schliesslich ist der beste Wein nicht das
   finale Ziel, sondern lediglich ein Etappenziel auf dem Weg zu noch besseren Weinen”, sagt
   Präsident H. Juergen Fahrenkamp, frei nach Zigarrenpapst Zino Davidoff.
 
• Silbermedaille
   Exzellente Weine, denen das Verkosterteam einstimmig 90 bis 94 Punkte zuerkannt hat.

• Bronzemedaille
   Sehr gute Weine, denen das Verkosterteam einstimmig 85 bis 89 Punkte zuerkannt hat.


   Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr aus

Herkunftsland    Goldmedaille    Silbermedaille    Bronzemedaille
Frankreich          14                     36                      18
Spanien              10                     32                      22    
Deutschland         6                     16                        1
Italien                   4                      14                      12
Verschiedene       2                        6                        4
(Australien, Chile, Luxemburg, Moldawien, Südafrika, Tschechische Republik, Ungarn...)

Teuer muss nicht immer gut sein

Wie man einen guten Schaumwein erkennt


   Im Glas präsentiert er sich brillant strahlend, funkelnd, leuchtend und zeigt viele feine, zarte Bläschen - keine groben Kohlensäureperlen.

   In der Nase bringt viel Frische und lebendige Noten von Zitrusfrüchten, Äpfeln, Aprikosen und weissen Blüten. Je nach Ausbau und Alter kommen auch Klänge von roten Beeren, exotischen Früchten, Blutorangen, Nüssen, feine Röstaromen, Brioche und Honig vor.

   Im Mund soll er ein klares, kompaktes Gefühl vermitteln, kann er straffe Mineralität haben, elegant und finessenreich zwischen Säure und Süsse balancieren, cremig und unaufdringlich sein, Tiefe und Länge haben - und insgesamt Lust auf ein nächstes Glas machen.

Ist Champagner denn wirklich so viel besser, wie er teurer ist?

   Das war eine der Fragen, die wir mit der internationalen Vergleichsverkostung beantworten wollten. Denn im Schatten des schäumenden Adels aus der Champagne stehen nicht nur die Crémants aus Frankreich, die in Gegenden entstehen, die auch für ihre Stillweine berühmt sind. Die Cavas aus Spanien haben, zumindest was die Menge angeht, den Nobeltropfen mit mehr als 200 Mio. Flaschen pro Jahr und einem interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis schon längst das Wasser abgegraben. Die Spumanti aus Italien...

   Und auch der deutsche Sekte, die nicht unbedingt in der Flasche gärten und reiften, konnnten sich unter den Siegern platzieren, was beweist, dass hohe Qualität nicht zwangsläufig nur eine Folge des Herstellungsverfahrens ist. Sie kann auch entstehen, wenn mit Anspruch gearbeitet wird.

So wie es überaus schwache Champagner gibt, gibt es auch starke Cavas, Sekte, Spumanti...

   Nicht alles, was sich Champagner nennen darf, ist auch Champagnerpreise wert. Das ist, wie mit Wildperlen und - wir leben auf Mallorca - den künstlichen aus Manacor. Die echten entdeckt man im direkten Vergleich immer. Doch sie sind seltener und auch teurer zu herzustellen als künstliche.

   Alle nach der traditionellen Methode (methode champagnoise) flaschenvergorenen Weine streben hohe und höchste Qualität an, die im Wesentlichen durch reglementierte und kontrollierte Erträge, hochwertige Rebsorten, Böden und moderne Kellertechnik erreicht wird. Aufwendige Weinbergsarbeit, sorgfältiger Ausbau und jahrelange Lagerung des Weines auf der Hefe haben ihren Preis. Deshalb müssen flaschenvergorene Weine teurer sein als einfache Schäumer, denen das Bizzeln teils sogar künstlich zugesetzt wurde.

Hochwertige Schaumweine sind ihr Geld immer wert

   Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. Diese Weisheit ist zwar alles andere als neu, bleibt aber trotzdem richtig. Die ominösen Schäumer, die Sie beim Discounter für 1,96 € kriegen, mögen zwar billig sein, preiswert sind sie sicher nicht.

   Denn der Geld-, Zeit- und Arbeitsaufwand, der notwendig ist, um einen guten Schaumwein zu machen, ist immens, und nur auf wenigen Rebflächen unserer Welt reifen die Trauben so gut, dass ein Hauch von Himmel im Glas bleibt, wenn schon der sogenannte "Engelsfurz" längst verflogen ist.

   Sie müssen eben etwas suchen, probieren (oh, wie schön!) - oder sich auf Tests wie diesen (noch besser!) verlassen. Geiz-ist-geile Schnäppchenjäger mag das enttäuschen, Fachleute aber überrascht sie nicht: Die Dominanz der flaschenvergorenen Qualitätsschaumweine in unserem Test, die aber auch zeigt, dass toll nicht Champagner heissen und teuer sein muss.