Alljährlich, wie die Schwalben den Frühling ankündigen, überraschen uns die spanischen Winzer mit ihren Roséweine, den "Rosado", "Rosat" und "Clarete". Brillant rosarote Farbglamour im Glas, verführisch klare Aromen mit der ganzen Beeren- und Blütenpracht des vergangenen Sommers in der Nase und vollfruchtig frischer Geschmack. Unsere spezielle, nicht nur! sommerliche Liebe zu diesen unverständlicherweise leider völlig unterbewerteten Weinen steht ausser Zweifel. Deshalb haben wir auch dieses Jahr wieder alle Roséwein Macher Spaniens zu unserer Vergleichsverkostung, der

2. SpanienRoséweinTrophy

eingeladen, und mit den kritischen Beurteilungen unserer ProfiJuroren haben Sie einen kompetenten, unabhängigen Ratgeber, in den Sie die besten Roséweine Spaniens finden, die ideal zu sommerlichen - aber natürlich nicht nur! - Gerichten passen.

Ein Wanderer zwischen zwei Welten?

Leider gibt es immer noch Weinfreunde, die naserümpfend und mit kennerischem? Brustton des überzeugten Besserwissers dahertönen: »Ein Rosé? Das ist doch weder Fleisch noch Fisch! Eben ein Unwein.« Leute, die Roséweine so ablehnen, haben sich wahrscheinlich nie mit ihnen befasst.
   Denn sie sind nicht nur farblich ein Kaleidoskop in Rosa, von hell leuchtendem, brillant klarem Rosenrosa über Erd- und Himbeertöne, Lachsrosa, Zwiebelschalen bis zu lichtem Granatrot. Sie kitzeln die Nase mit ihrer Aromenvielfalt, Körben voller frischer Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, Aprikosen und dem beschwingten Duft sommerlicher Blumen und Kräuter. Und sie schmeicheln dem Gaumen mit ihrer jugendlichen, fruchtigfrischen, appetitmachenden Natürlichkeit.
   Es gibt sie »light«, heisst: Mit mainstreamig gebremstem Alkohol (bis max. 12,5 % Vol.), fruchtbetont frisch, erfrischend, angenehm feinsäuerlich. Und es gibt sie auch kraftvoller, mit konzentriertem Aromenspiel, vollmundig, fast fleischig im Mund.

Ein Garten Eden der Geschmacksvielfalt

Da sind die zum einen Spaniens autochthone Rebsorten, wie die Garnacha-Familie mit ihrem vollfruchtig kräuterwürzigen Aromenspiel, die Tempranillo mit all ihren regionalgeprägten Verwandten, der Tinta Fina, der Tinta del País, der Tinta de Toro... und ihrer kraftvollen Struktur, die Mencia, die süffige Monastrell, die für roséfarbene Cavas beliebte Trepat oder die Listán von den Kanaren mit ihrem ganz speziellen Hauch von Exotik. Dann sind da die noblen Edelrebsorten französischem Ursprungs, wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, Pinot Verdot. Und - nicht zu vergessen! - die grossartige Bobal, »la Reina«, die Königin der Rosados. Sie sind der Edelstoff, aus dem Spaniens Winzer ihre unverwechselbaren Rosados machen.

Hoch lebe der Unterschied

   Die Geburtshelfer der Rosados waren dunnemals Winzer, die (Wer verstände das heute, wo doch nur noch der schnelle Euro zählt?, nicht besser als wir, liebe Zeitgenossen?) weder die Zeit noch das Geld hatten, um die monatelange Reifezeit ihrer Rotweine abzuwarten, und schnell entwickelten sich die Rosados zum sommerlichen Modewein, da sie rechtzeitig zum alljährlichen Weinkartenwechsel der Restaurants auf dem Markt waren.
   Inzwischen aber sehen wir immer mehr Intentionen der Weinmacher, mit dem Rosado einen ganz speziellen Weintyp anzubieten. So zum Beispiel hat Fernando Chivite mit seinem »Colección 125 Rosado« einen aussergewöhnlichen Rosado mit einigen Jahren Ausbau, zuerst in Barriques, dann auf der Flasche, gemacht und mit dem »Gran Feudo Rosado«, eine Roséwein, der auf den Hefen reift.
   Seit einigen Jahren in der Spitzengruppe und als internationaler Preisabräumer spielt auch der »Enate Cabernet Sauvignon Rosado«, kreiert vom Meisterönologen Jesús Artajona, mit. Oder der fassvergorene Rosado von PradoRey mit seinem interessanten Eichentouch, ebenso wie der in Fass vergorene »Alma de Tobía Rosado« aus Rioja. Weine, die uns ein grosses Finale in Farbspiel, Aromen und Geschmack schenken.

Spaniens rosarote Weinwelt

   Im grössten Weinbauland der Erde gibt es mehr Rosados, als Rebsorten. Und darunter mehr als eine Handvoll, die sich locker unter den Besten der Welt platzieren können. So macht zum Beispiel der sympathische Francesc Capafons-Ossó im Montsant mit seinem »Roigenc« einen sortenreinen, harmonischen, kraftstrotzenden Syrah, ebenso wie »Viña Aljibes« oder »Capilla del Fraile« in der V.T. Castilla. Der »Arrayán« aus Mentrida überrascht uns auch in seinem zweiten Jahr noch aussergewöhnliche Frische und Fruchtaromatik. Aus Cigales kommt der spektakuläre »Docetañidos« von Lezcano-Lacalle. Der »Castillo de Javier« aus Navarra ist ein Musterbeispiel an Farbbrillanz, Fruchtigkeit und Geschmack. Und der Garnacha von Ochoa ist ein faszinierender Gegenpol zum Roséstereotyp, ein Kaleidoskop von Früchten in der Nase und im Mund, rundherum harmonisch, doch auch mit toller, anhaltender Frische.
   Aus La Mancha, einer Region, die sich einen guten Ruf für ihre Rosados erwinzert hat, kommen der »Torre de Gazate« oder der »Condesa de Leganza«. Nicht zu vergessen: Der »Vegalfaro« aus Valencia, ein leicht rotweinig anmutender »Tee« aus Walderdbeeren und Veilchen, oder der »Tombú« von Dominio Dostares aus der V.T. Castilla y León, ein sortenreiner Prieto Picudo und Geheimtipp unserer Sommeliers. Dann noch, aber nicht an letzter Stelle!, der »Quinta Clarisa« von Didier Belondrade (mit seinen Weissweinen seit Jahren unter den Spaniens Top 100) aus Rueda.

Das rosarote Resumée

   Ein tolles Angebot frischfruchtiger Weine aus den unterschiedlichsten Anbauregionen mit vielschichtigen Charakteren, die die Sinne des Weinkenners betören, der auf Entdeckungsreise geht und nicht stur nach dem Motto »Wat der Bur nich kennt...« lebt. Authentische Weine, die unsere Genusswelt bereichern. Regional geprägte Spezialitäten in einer Welt, in der leider fashionable geprägte, immer auswechselbarere und immer mainstreamigere »CocaCola«-Weine den Ton angeben.

   Freuen Sie sich auf zahlreiche, rosarote Überraschungen.